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Eine Öde Wissenswüste

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Eine Öde Wissenswüste

Beitragvon RM » Do Mär 11, 2004 8:24 pm

Rheinischer Merkur Nr. 44, 30.10.2003



ISLAM / Die Uno schlägt Alarm: In den arabischen Ländern droht geistiger Notstand mit katastrophalen Folgen

EINE ÖDE WISSENSWÜSTE


Das Schwarzbuch der Vereinten Nationen prangert Bildungsdefizite und Fortschritts-verweigerung auf allen Gebieten an. Ursache dafür ist eine erstarrte Religion.

Autor: HANS-PETER RADDATZ

Seit 2002 steht der arabische Islam auf dem Prüfstand des Ent- wicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Bislang hat man sich in zwei Berichten mit der Aneignung von Wissen und dessen Umsetzung in den islamischen Gesellschaften beschäftigt. Im kürzlich erschienenen Report 2003 wurde die Kritik verschärft: Zur nicht-islamischen Welt, so heißt es dort, habe sich eine dramatische Wissenskluft geöffnet, die auf eine glaubensbedingte Einschränkung der Bildungsfreiheit und eine zunehmende Frauenrepression zurückzuführen sei. Dabei zeige man sich zur Selbstkritik chronisch unfähig, deren eine Öffnung des Islam dringend bedürfe.

Diese Töne sind relativ neu. Über viele Jahre hat sich im Westen und besonders in Deutschland ein Islambild verfestigt, das vom Toleranzideal der Lessing-Aufklärung und vom Toleranzdiktat des modernen Multikulturalismus geprägt wurde. Bis heute werden der Islam und seine Großstadtsiedlungen als ein Phänomen propagiert, „das es eigentlich gar nicht gibt“, wie die Führer des „interkulturellen Dialogs“ in Parteien, Kirchen und Universitäten stereotyp formulieren. Geradezu monolithisch sind sie davon überzeugt, dass diese Religion „kein Monolith“ ist, sondern in so viele Formen und Facetten zerfällt, dass man von „dem Islam“ gar nicht sprechen kann.

Besonders wenn islamische Gewalt ins Spiel kommt, ist oft zu hören, dass Terror und Frauenrepression mit dem Islam nichts zu tun haben, weil diese Religion seit 1400 Jahren zu politischen Zwecken „missbraucht“ worden sei. Islam und Islamismus seien daher strikt zu trennen. Für den „Dialog“ steht außer Zweifel, dass der Islam als die Religion des Friedens und Gewalt allenfalls als Notwehr gegen westliche Ausbeutung und „Arroganz“ zu sehen sind. Hinweisen auf die Realität hält man die Gewalt der Kreuzzüge oder ganz einfach den Vorwurf des „Rassismus“ entgegen. Dabei besteht innerhalb des „Dialogs“ eine Konkurrenz um islamische Korrektheit, deren Formelsprache rituellen Liturgiecharakter anzunehmen beginnt.


Gesetze mit ewiger Geltung

Die Frage kommt auf, worin derjenige Islam besteht, der die Uno nun zu so herber Kritik veranlasst hat. Könnte es sein, dass die Frageverbote hierzulande schon die Fähigkeit verschüttet haben, ein so komplexes Gefüge wie die Politreligion des globalen Islam überhaupt beschreiben zu können? Vieles deutet darauf hin. In der Vergangenheit waren die zahlreichen ethisch-intellektuellen Defizite des Islam angesprochen, aber durch ideologische Totschlag-Floskeln wie „Generalverdacht“ oder gar „Volksverhetzung“ gegen jede Analyse abgeschottet worden.

Im Zentrum des real existierenden Islam stehen Koran und Prophetentradition, deren universaler Anspruch dem Allahgesetz der Scharia zugrunde liegt. In kulturellen Abstufungen, von denen keine säkular ist, prägt er die islamischen Gesellschaften bis in kleinste Details. Dieser Anspruch ergreift auch alle anderen Kulturen, weil Allahs „Haus“ die ganze Welt umfasst. Noch nicht konvertierte Regionen sind daher als latente Kriegsgebiete anzusehen, die es langfristig zu überwinden gilt, wobei Täuschung und Gewalt muslimische Pflichten sind. Das „Gottesgesetz“ hat ewige Geltung, denn anlässlich der Frauenprobleme seines Gesandten verkündete Allah einst: „Es ziemt den gläubigen Männern und Frauen nicht, wenn Allah und sein Gesandter irgendeine Sache beschlossen haben, sich die Freiheit herauszunehmen, anders zu wählen.“

Wer den Islam nicht annimmt oder gar seine Regeln zu ändern sucht, lädt also Schuld auf sich und stellt allein durch seine Existenz eine latente Aggression dar. Jeder Muslim hat das Recht, Nichtmuslime zu töten, wenn sie Schuld auf sich laden, indem sie den Islam ablehnen und sich sogar dessen Ausbreitung entgegenstellen. Dass dabei das Vermögen der Ungläubigen dem Islam zusteht und Nichtmuslime den Anhängern Allahs zu dienen haben, versteht sich von selbst. Die islaminternen Informationen über den kürzesten Weg zur Sozialhilfe setzen diese Tradition fort.


Toleranz im Mittelalter – nur eine Legende

Prinzipien des geistigen Ausgleichs, des objektiven Wissens und der politischen Kooperation haben in dieser Ideologie, die schon vom Gesandten Mohammed mit Kampf und Auftragsmord vorexerziert wurde, keinen Platz. Während der Koran sowohl die Annahme als auch Vernichtung der Juden und Christen zur Wahl stellt, haben die Muslime historisch bis heute die letztere Variante bevorzugt. Auch frühe Dynastien wie die Umayyaden, die sich auf die indoiranisch-griechische Tradition Syriens stützten, mussten in diesem System als ebenso „satanisch“ gelten wie ihre späteren Nachfolger. Um ihr unislamisches Königtum praktizieren zu können, wichen diese vor Verfolgung nach Spanien aus, also erneut in einen indogermanischen Kulturraum, dessen westgotische Bräuche zudem betont frauenfreundlich waren.

Es ist kein Zufall, dass es hier zur Hochblüte einer philosophischen Kultur kam, die sich mehrheitlich jedoch nicht, wie die westliche Islameuphorie zu wiederholen nicht müde wird, aus islamischem, sondern eher aus antik-griechischem Geist speiste. Der orthodoxe Islam hat die großen Philosophen des 12. Jahrhunderts nicht ertragen können und sie hinrichten, zumindest im Gefängnis verkümmern und ihre Bücher verbrennen lassen. Ebenso verstärkte sich die Repression der Frauen. Denn mit den Übersetzungen griechischer Texte kehrte vor allem Aristoteles zurück, der größte Frauenfeind der europäischen Geistesgeschichte, den auch die klerikale Misogynie in Gestalt des Thomas von Aquin gern aufgriff.

Zu jener Zeit wurden die Weichen endgültig zugunsten des geistigen Konformismus gestellt. Was der Westen oft als „Bereicherung“ Europas durch den islamischen Wissenstransfer rühmt, ist weitgehend eine Bewunderung der eigenen Kulturwurzeln, die von Ausnahmegestalten wie den umayyadischen Kalifenkönigen ermöglicht, aber vom „eigentlichen Islam“ radikal ausgemerzt wurden. Seither ist kein „Wissen“ mehr außerhalb des „Glaubens“ erlaubt. Die Folgen sind gravierend: Das moderne Spanien, keineswegs führend im europäischen Kulturbetrieb, übersetzt in einem Jahr mehr Bücher als die Araber in den acht Jahrhunderten seit dem Tod des großen Averroes im Jahre 1198.

Wie für die orthodoxen Muslime, so ist es auch für die hiesigen Proislamisten kaum zu ertragen, wenn nicht nur die Uno-Experten, sondern auch die gebildeten Araber die geistige Unfreiheit, politische Unkultur und unproduktive Wirtschaft des islamischen Raums anprangern. Schonungslos legen sie den Buchstabenglauben der orthodoxen Imame offen, die keine Denkwege neben Koran und Tradition zulassen und so im Verein mit den politischen Despoten den Zugang zu objektivem Wissen nachhaltig blockieren. Kein islamisches Land – auch nicht die Türkei – verfügt über eine funktionsfähige Demokratie.


Feindbilder der Muslimbruderschaft

Besonders unter den Frauen grassiert der Analphabetismus, islamweit mit zwei Dritteln etwa doppelt so hoch wie bei den Männern. An die Stelle der iranischen Revolutionsregierung hat sich seit etwa eineinhalb Jahrzehnten als treibende Kraft dieser „Entwicklung“ Saudi-Arabien gesetzt, das die Expansion des islamischen Radikalismus weltweit finanziert. Es gehört „natürlich“ zum System, dass seine Reproduktionsrate mit sechs Prozent etwa doppelt so hoch liegt wie im übrigen Islamgebiet.

Speerspitze dieses Radikalismus ist die 1928 gegründete Muslimbruderschaft, die mit offenen Sozialgruppen und verdeckten Terrorkadern eine erfolgreiche Drohpolitik betreibt und als oberste Feindbilder die westliche Demokratie und Israel bekämpft. Mit dieser Politik verstehen sich die Muslimbrüder und ihre saudischen Förderer als die Wächter des Glaubens und Motoren des islamischen Rechts gegen den Westen. Unter solchen Vorzeichen sind Moscheenbau, Muezzin, Islamunterricht und Kopftuch integrale Elemente der islamischen Expansion in Europa mit dem Ziel der Umma, der autonomen Muslimgemeinschaft.

Die interkulturell „Verantwortlichen“ in Deutschland haben diesen Prozess seit Jahren tätig unterstützt. Dabei suchen sie als Partner weniger die „gemäßigten Muslime“, sondern die radikalen Kräfte des Islam, dessen türkische Variante als staatsfeindlich eingestuft wird und in arabischer Version durch eine scheindemokratische „Charta“ sowie Kontakte zur Gewaltszene aufgefallen ist. Dass Bildung und Frauenrechte dabei keine Rolle spielen und der Radikal- islam – wenn überhaupt – nur schleppend verfolgt wird, liegt auf der Hand.


Koranschulen ohne Kontrolle

Die Affäre der Fahd-Akademie in Bonn hat gezeigt, wohin der Proislamismus das Land steuert. Unter dem Schutz des Schulsystems und prominenter Politiker konnte hier eine Kaderschmiede mit Kontakten zum Terrorbereich entstehen, wobei frühere Warnungen unter die übliche „Ausländerfeindlichkeit“ fielen. Der Lehrplan dieser „Schule“ entsprach dem der saudisch finanzierten Koranschulen in Pakistan, welche unter anderem die Taliban hervorbrachten.

Die Uno-Experten würden der deutschen Dialogszene also kein günstiges Zeugnis ausstellen, wenn sie den hiesigen Islamzuzug unter die Lupe nähmen. Denn hier werden der Bevölkerung überdimensionierte Moscheen aufgezwungen und „Islamunterricht“ – zum Beispiel in Berlin – ohne staatliche Kontrolle durchgeführt. Überdies hält dabei niemand die Frage für diskussionswürdig, ob muslimische Frauen ihre Grundrechte überhaupt in Anspruch nehmen können.

Die Kopftuchdebatte hat enorme Informationsdefizite über den Islam und seine undemokratischen Existenzbedingungen zutage gefördert. Wenn sie weiterhin objektiver Analyse entzogen werden, können sie Deutschland zu einer ähnlich öden Wissenswüste machen, wie sie die Uno in der Islamzone beklagt. Denn hierzulande kann man offenbar keine Zeichen umfassender Inkompetenz erkennen, wenn das Kopftuch als „Signal der Religionsfreiheit“ gilt, als Freiheit für eine „Religion“ also, die selbst die Religionsfreiheit gewaltsam verhindert und das Rechtssystem, das ihr die Freiheit dazu einräumt, bekämpfen muss.

Der Autor ist Islamwissenschaftler und Buchautor. Veröffentlichungen: „Von Gott zu Allah?“, 2001, und „Von Allah zum Terror?“, 2002. Für Ende 2003 geplant: „Allahs Schleier über dem Westen – Die Frauen im Kampf der Kulturen“. Alle Bücher sind im Herbig Verlag, München, erschienen.
RM
 

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